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Hund und Kind
Nichts liegt uns so sehr am Herzen wie das Wohlergehen unserer Familie. Dieser Satz wird für viele von uns nochmal doppelt wahr, wenn wir Kinder bekommen. Wir versprechen diesem kleinen Wesen bei seiner Geburt, ein Leben lang für es da zu sein, es zu beschützen und alles zu tun, damit es ihm gut geht. Widerspricht es sich da nicht, wenn man es mit Raubtieren unter einem Dach leben lässt? Ich finde: nein, ganz im Gegenteil. |

Hund und Kind können ein großer Gewinn füreinander sein aboutpixel.de - Ulrike Piehler |
Ein Hund bietet wie kaum ein anderes Haustier die Gelegenheit eine bedingungslose Kameradschaft kennenzulernen und mit ihm durch dick und dünn zu gehen. Statistiken beweisen: Hunde machen glücklichere, gesündere und seelisch stärkere Kinder. Aber damit diese Freundschaft nicht getrübt wird oder damit sie erst entstehen kann, müssen Sie (auch Ihr Kind und Ihr Hund, aber vor allem Sie) einige grundlegendende Dinge verstehen und beachten. Es ist kein Kunststück das Zusammenleben von Hund und Kind harmonisch und gewinnbringend zu gestalten. Schön, dass Sie es wagen wollen!
Zu allererst möchte ich den größten und am weitesten verbreiteten Mythos über Hunde und Kinder, die in einem Haushalt zusammen leben, in Umlauf ist: die Rangfolge. Im Kapitel "der erwachsene Hund" haben Sie bereits erfahren, dass Dominanz und Rangordnung im Alltag eines Haushundes wesentlich unwichtiger sind als gemeinhin angenommen und nicht unablässig um die Herrschaft gerungen werden muss.
Beim Kind hört man häufig den Rat, dem Hund einzutrichtern, dass das Kind einen höheren Rang habe als er. Ich will ihnen nun aus meiner Sicht erklären, weshalb das weder möglich noch notwendig ist. Einen Rang im Sinne eines Statusplatzes innerhalb eines Rudels ausfechten kann niemand außer den zweien, die um dieselbe Position konkurrieren. Selbst bei Wölfen teilt nicht der Leitwolf die Ränge ein, sondern die Individuen untereinander - er greift lediglich ein, wenn ein Konflikt außer Kontrolle gerät. Einen Rang teilt er nicht zu. Dennoch werden Welpen nicht getötet oder laufend attackiert.
Sie können aus dieser Beobachtung, die auch für Hunde gilt, schließen, dass es nicht Ihre Aufgabe ist Ihrem Kind einen Rang zuzuweisen. Sie möchten auch sicher nicht, dass Ihr Kind in direkter Konkurrenz mit dem Hund seinen Rang selbst ausfechten muss. Deshalb bitte ich Sie die Frage des Ranges in Bezug auf Ihr Kind vollkommen zu vernachlässigen und sich statt dessen damit begnügen den beiden, wo nötig, Verbote zu setzen. Ein Verbot besteht unabhängig von Rangfolgen (vergleichen Sie hier wieder die Kapitel "Der erwachsene Hund" und "Futterneid") und kann von jedem gesetzt werden. Es ist weder notwendig noch möglich einem Kind einen höheren Rang zuzuweisen als dem Hund - aber Sie können dem Hund dennoch zeigen, dass Sie keine körperlichen Konflikte dulden.
Wenn ein Hund ein Verbot setzt, verwarnt er kurz und heftig, etwa mit einem drohenden Sprung nach vorn oder einem Warnschnappen in die Luft. Hunde verwarnen sehr präzise - wenn ein Hund schnappt und das Kind verfehlt, dann war das Absicht! Natürlich ist ein Hund kein Roboter, aber er handelt sehr viel schneller und präziser als Ihr Kind. Wenn Ihr Hund also bereits mit einem Schnappen verwarnt hat - nur keine Angst, es ist trotzdem nicht zu spät. Sie benötigen nur unter Umständen mehr Geduld bei einem Hund, der mit dem Schnappen bereits einmal Erfolg hatte.
Sehen Sie das Schnappen vorerst als eine von vielen Warnungen, die ein Hund ausspricht bevor er wirklich Schaden zufügen möchte. Das bedeutet nämlich auch: er wollte es bisher nicht. Aber selbst die Weisheit "hat er einmal gebissen, ist der Hund verdorben" ist ein Mythos. Es ist nie zu spät für einen Hund Ihnen vertrauen zu lernen und Ihnen die Wahrung seiner Grenzen anzuvertrauen. |

So sicher wie in Abrahams Schoß - fördern Sie eine tiefe Bindung zwischen dem Hund und Ihrem Kind aboutpixel.de - Andreas Reimann |
Ihr Hund wahrt seine Grenzen, wenn er bedrängt wird und verteidigt seine Beute oder sein Futter. Auch dies hat mit Rangfolge nichts zu tun, dies darf in einem Hunderudel jeder Hund, auch der Rangniedrigste. Trotzdem dürfen Sie Ihren Hund einschränken, wenn er Ihnen zu weit geht. Aber vergessen Sie dabei die Rangfolge. Viel wichtiger, wenn auch verwandt ist das Vertrauen Ihres Hundes in Sie als kompetenter Partner. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass Sie die-/derjenige sind, der das Miteinander überwacht und rechtzeitig eingreift, um Konflikte zu regeln. Ihr Hund ist lange nicht so machthungrig wie Sie denken und wird sich im Gegenteil erleichtert zurücklehnen und sich Ihrer Führung anvertrauen - sofern Sie ihm konsequent immer wieder signalisieren, dass Sie Ihren Job sehr ernst nehmen, indem Sie zügig und entspannt eingreifen. |
Ein Baby oder Krabbelkind ist zu klein, um auf Verbote zu reagieren oder vernünftig zu handeln. Deshalb müssen Sie an seiner Stelle reagieren. Bedrängt das Baby den Hund, zieht es ihn am Fell, krabbelt auf ihn drauf, nimmt ihm seine Beute weg o.ä. und der Hund zeigt deutliches Unwohlsein (z.B. Beschwichtigungssignale oder bereits Drohsignale) - handeln Sie beiläufig, zügig und konsequent und nehmen Sie das Kind weg. Sie müssen mit Ihrem Kind nicht schimpfen, aber vielleicht prägen Sie ihm früh eine Wendung ein wie "lass bitte den Hund in Ruhe" - möglicherweise wird es so schneller von selbst begreifen. Ihr Hund lernt so Ihnen zu vertrauen und fühlt sich nicht länger von Ihrem Kind bedroht. Deshalb rate ich auch davon ab, statt dessen den Hund rauszuschicken oder das Spielzeug wegzunehmen - dann beginnt er die Anwesenheit Ihres Kindes mit einer Strafe zu verknüpfen und das kann sich negativ auf die Bindung zwischen Ihrem Hund und Ihrem Kind auswirken.
Eine Bindung ist auch hier, wie überall in der Mensch-Hund-Familie, so wichtig, weil sie Aggressionen verhindert, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt und später vieles Eingreifen überflüssig macht, weil der Hund von sich aus auf das Kind und dessen Belange achtet (natürlich auf hündische Weise) . Eine Bindung schafft Vertrauen und gegenseitige Rücksichtnahme. Wenn Sie ein Baby erwarten, sorgen Sie deshalb so früh wie möglich dafür, dass der Hund Ihr Baby in entspannter Umgebung kennen lernen kann. Lassen Sie ihn auch schonmal an getragenen Babysachen schnuppern, bevor Sie nach Hause kommen, falls Sie Ihr Kind in einem Krankenhaus zur Welt bringen. Lassen Sie ihn am Kind schnuppern - für Ihren Hund ist auch das Ablecken ein wertvoller Weg zur Bindung, deshalb überlegen Sie sich, ob Sie Ihrem Hund das nicht vielleicht erlauben wollen. Bakteriologisch gesehen ist das Maul eines gesunden Hundes durchschnittlich sauberer als das eines Menschen - der Speichel eines Hundes enthält sogar antibiotische Substanzen.
Für ältere Kinder gilt ähnliches wie für erwachsene Familienmitglieder: Gemeinsamkeit stärkt die Bindung, spielen Sie gemeinsam, unternehmen Sie gemeinsame Wanderungen. Wenn Ihr Hund etwas rüpelhaft ist, hat er draußen mehr Möglichkeiten sich anderweitig auszutoben und seinem Bewegungsdrang freien Lauf zu lassen. Ist Ihr Hund eher schüchtern, kann er draußen einem zu aufdringlichen Kind besser ausweichen und wird so entspannter und fühlt sich seltener bedrängt.
Die wohl wichtigste Regel, die Sie selbst beachten müssen ist: lassen Sie Kind und Hund niemals miteinander allein, um beider Willen. Natürlich werden Kinder älter und vernünftiger und sicherlich müssen Sie keine Zehnjährige, die mit dem Hund aufgewachsen ist, mehr auf Schritt und Tritt verfolgen. Dennoch ist dieser Punkt der Wichtigste, vor allem wenn die Kinder oder der Hund noch jung sind oder der Hund neu in der Familie ist. Beide brauchen Ihr Eingreifen und Ihr Vorbild und beide orientieren sich sehr stark an Ihnen: nutzen Sie das für sich.
Aber selbst wenn Sie mal nicht mehr rechtzeitig eingreifen konnten: bleiben Sie in jeder Situation möglichst ruhig, gelassen und souverän dem Hund gegenüber. Strafen Sie nicht im Zorn oder im Schreck. Ein Hund versteht auch keine lang anhaltenden Strafen. Und vor allem: bestrafen Sie nicht das drohende Knurren! Es ist ein wertvolles Signal und Ihr Hund kann lernen, dass Sie auf sein Knurren hin sofort reagieren und das Kind von ihm entfernen. Er wird sich beruhigen und Vertrauen fassen und Sie werden merken, dass er immer seltener knurrt und wenn doch, dass er Ihnen mehr und mehr Zeit gibt einzugreifen.
Wenn Sie spezielle Fragen haben oder sich für richtiges Verhalten einem fremden Hund oder Kind gegenüber interessieren, nutzen Sie doch bitte die Kontaktmöglichkeiten. Ich freue mich über jeden Menschen, der dem Gespann Hund und Kind eine Chance gibt!
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