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Der Welpe

Ein kleiner Welpe rührt das Herz an - auch im Tierheim gibt es Welpen aboutpixel.de - Sven Schneider |
Sie möchten sich einen Hund anschaffen? Ein Welpe soll es sein? Dagegen spricht nichts!
Trotzdem möchte ich Sie bitten, bevor Sie sich endgültig entscheiden, den Bereich "Der Tierheimhund" einmal durchzulesen. Nicht, weil Sie ein Herz für arme geschundene Kreaturen haben. Sondern, weil das Bild, das Sie von Hunden aus dem Tierheim haben, vielleicht nicht der Realität entspricht. Sie haben vielleicht Angst, weil Sie glauben Hunde aus dem Tierheim sind unberechenbar und traumatisiert? Geben Sie sich einen Ruck und lesen das Kapitel. Danach werden Sie vielleicht immer noch einen Welpen wollen und das ist auch gut so. Aber geben Sie Ihren eventuellen Vorurteilen eine Aufgabe sich neu zu bewähren. |
Immer noch überzeugt einen Welpen zu holen? Gut!
Es gibt viele Seiten und Bücher zu dem Thema und ich will Sie nicht langweilen mit Rassebeschreibungen oder detaillierten Erziehungsmethoden. Egal welche Rasse ihr Hund hat, es ist ein Hund. Allein möchte ich Ihnen als Anfänger davon abraten sich überstürzt einen Welpen einer Arbeitsrasse zu holen, da diese Hunde oftmals wegen ihrer starken Neigungen ungleich schwieriger zu kontrollieren und glücklich zu machen sind. Auch Labradors sind Jägerhunde sowie die niedlichen Jack Russell Terrier. Ein Border Collie ist ein Arbeitshund. Treffen Sie eine Entscheidung und lassen Sie sich nicht von Schauergeschichten abschrecken, aber tun Sie sich selbst den Gefallen und informieren Sie sich. Führen Sie einen jungen Hund der gewünschten Rasse mal aus und schauen, ob Sie sich das zutrauen. Es ist toll, dass manche Hunde 16 oder mehr Jahre alt werden - mit einem Hund, der nicht zu Ihnen passt, kann einem das ziemlich lang vorkommen!
Egal woher Sie sich einen Welpen holen, ob Züchter oder Tierheim, überlegen Sie kurz, welche Konsequenzen Ihre Anschaffung hat. Möchten Sie in Kauf nehmen, dass Sie eventuell Tierquäler unterstützen? Manchmal ist das Herz stärker als die Vernunft. Aber manchmal hält einen der Gedanke an all die kommenden Generationen an Welpen davon ab, sich überstürzt dem Spontankauf einer leidenden Kreatur hinreißen zu lassen. Retten Sie diesen einen, öffnen Sie den folgenden Generationen Tür und Tor. Das sollte Ihnen bewusst sein. |
Wenn Sie sagen nein, ich würde einen Hund aus schlechten Verhältnissen nicht kaufen, dann können Ihnen folgende Punkte dabei helfen diese oftmals sehr gut getarnten Tierhändler zu erkennen. Stellen Sie sich folgende Fragen:
- Sind die Elterntiere zu sehen, sind diese gesund und freundlich?
- Sind die Welpen gesund, sauber und zutraulich?
- Welche Rassen und Tierarten werden dort gezüchtet?
- Haben die Welpen Familienanschluss?
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Ein putziger Jack Russell ist auch ein Jägerhund - wie alle Terrier - und im Erziehungsanspruch nicht zu unterschätzen aboutpixel.de - Kurt Bouda |
Immer noch überzeugt einen Welpen zu holen? Gut!
Wenn ein Züchter viele verschiedene Rassen züchtet, ist es unwahrscheinlich, dass er allen Tieren gleichermaßen gerecht wird, besonders wenn die Rassen unterschiedliche Ansprüche haben, Zwergpinscher neben Leonbergern, Huskys neben Bassets.
Die Frage nach dem Familienanschluss scheint Ihnen nebensächlich zu sein, sie ist aber essenziell!
Daher gleich der radikale Schwenk zum Thema: Sozialisierung!
Unter Sozialisierung versteht man die Aneignung von Fähigkeiten und Informationen die für das Zusammenleben von Hunden untereinander, aber auch von Menschen und Hunden notwendig ist. Ein Welpe kommt nicht fertig auf die Welt, seine Instinkte reichen aber gerade mal soweit, dass er laufen, trinken, fressen und ein paar angeborene Signale verstehen und aussenden kann.
Seine Instinkte reichen nicht soweit, dass er weiß, dass eine Katze kein Pausensnack ist, Ihre Nase ebensowenig und Ihr Kopfkissen kein Klo ist. Er weiß nicht, wer Freund oder Feind ist (man denke an Ihr Kind oder ein heranrasendes Auto), er weiß nicht wann sein Leben bedroht ist oder wann er sich besser unterwerfen sollte. Das alles muss er lernen. Er muss die Sprache seiner Artgenossen lernen, Ihre Sprache und er muss Ihre Welt kennen lernen.
Um dies zu lernen, gibt es eine Lebensphase, in der dies beinahe von selbst geschieht. Ist diese Phase verpasst, ist die Lektion nur sehr schwer und in manchen Fällen unmöglich aufzuholen. Deshalb liegt das ideale Abgabealter für Welpen bei etwa 12 Wochen. Dies ist die Phase, in der er von Geschwistern und Eltern ausreichend gelernt hat und bereit ist, neue Sozialpartner (Ihre Familie!) und ein neues Leben kennen zu lernen. Er ist neugierig und offen für alles. Nutzen Sie das aus! |

Wird Ihr Welpe ein Angsthase oder ein Rüpel? Sie haben es zum großen Teil selbst in der Hand! aboutpixel.de - Kyken |
Lassen Sie Ihren Welpen jeden Tag etwas Neues kennen lernen, schotten Sie ihn nicht ab. Feuerwerk, Menschenmassen, Katzen, Pferde, einen Bahnsteig - alles was Ihnen einfällt und alles wovon Sie möchten, dass er sich nicht im Alter von drei Jahren zu Tode erschreckt, wenn er ihm zum ersten Mal begegnet. Sein Sie kreativ. Fordern Sie ihn, aber überfordern Sie ihn nicht. |
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Wenn Sie später wollen, dass Ihr Hund problemlos mit anderen Hunden kommuniziert, sich rechtzeitig unterwirft bevor es zu einer Auseinandersetzung kommt oder wirkungsvoll durch Drohung einen Konflikt abzuwenden weiß, dann lassen Sie ihn so viel wie möglich mit Artgenossen Kontakt aufnehmen. Die Leine kann eine hündische Konflikt-Entschärfung verhindern, darum finden Sie geeignete Hunde allen Alters und jeder Rasse, mit dem Sie Ihren Welpen frei laufen lassen können. Greifen Sie so wenig wie möglich ein. Wenn Ihr Welpe zu Ihnen flüchtet, trösten Sie ihn nicht, aber gewähren Sie ihm Unterschlupf. Lassen Sie aber nicht zu, dass er aus der gesicherten Position heraus andere Hunde provoziert. Nehmen Sie ihn auch nicht auf den Arm, das kann ihn unangemessen stärken und die am Boden zurückgebliebenden Hunde erst recht gegen ihn aufbringen.
Wenn ihr Welpe laut quietscht, sich auf den Rücken wirft und pinkelt - Sie müssen ihn in den meisten Fällen jetzt nicht "retten", er macht es genau richtig und er hat längst nicht so viel Angst wie Sie jetzt glauben! Er wendet instinktiv Signale des Welpenverhalts an. Signale, die auch später beim erwachsenen Hund manchmal auftreten und ihm helfen zu verdeutlichen "ich tu dir nichts, ich bin harmlos und erkenne deine Position an".
Sie sollten vor jedem Hundekontakt mit einem fremden Hund aber immer fragen, ob der Hund welpenverträglich ist - der viel zitierte "Welpenschutz" ist ein Märchen! Welpenschutz findet sich nur in Rudeln, nicht unter fremden Hunden.
Der Anker eines jeden Hundes und die grundsätzliche Basis, die ihn formt und leitet ist die Bindung zu Ihnen. Unterschätzen Sie das niemals. Körperkontakt, Spiel, Lob, all das sollte ihm in den ersten Wochen nach seiner Ankunft so selbstverständlich zur Verfügung stehen wie Wasser und Luft. Für einen Hund ist die soziale Bindung so wichtig wie das Atmen.
Nun wird man Ihnen vermutlich raten, den Hund so früh wie möglich an "Rangordnung" und "Disziplin" zu gewöhnen. Hierzu finden Sie mehr Informationen im Bereich "Der erwachsene Hund". Mein persönlicher Rat: lassen Sie Erziehung und alles andere liegen, solange bis Sie eine stabile und ungetrübte Bindung und ein tiefes Vertrauensverhältnis zu Ihrem Hund aufgebaut haben. Das erscheint Ihnen zunächst wie verschwendete Zeit, in der man wunderbar schon Sitz und Platz hätte einüben können. Aber es wird sich vielfach auszahlen. Ein Leckerli lockt Ihren Hund. Aber für den Menschen, mit dem er eine Bindung eingegangen ist, wird er alles tun.
Eine gute Bindung können Sie an folgenden Indizien erkennen - dies sind natürlich nur Beipiele:
- der Hund schaut oft Sie an, mit offenem Blick
- der Hund sucht Schutz bei Ihnen in ungewohnter Umgebung und in Bedrängnis (Folge"trieb", lässt sich auch für die leinenlose Erziehung jetzt ideal ausnutzen)
- der Hund folgt Ihnen und nicht dem Fremden mit dem Leckerli
Keine Hinweise auf eine Bindung sind Dinge wie Gehorsam oder Unterwerfung, wobei sich das durchaus bedingt. Der Unterschied liegt jedoch in der Motivation des Hundes für seinen Gehorsam.
Ein so junger Welpe hat noch spitze Zähne und die nächsten folgen schnell. Das fühlt sich unangenehm an und er wird so viel wie möglich nagen und beißen wollen. Helfen Sie ihm, eine sinnvolle Wahl zu treffen. Geben Sie ihm genug Kauspielzeug. Beobachten Sie Welpen, die untereinander spielen. Hmmm, ein wackelnder Schwanz meines Kollegen. Haps! Was passiert? Der andere Welpe wird laut aufkreischen oder, wenn er etwas erfahrener ist, wird er sich den Übeltäter kurz und heftig packen. Danach ist alles wieder okay. Kurz und heftig ist das Kurzrezept für solche Situationen. Was jetzt grausam erscheint, erspart dem Hund eine lange leidvolle Erfahrung von sich spiralig immer weiter in der Intensität steigernden Bestrafungen. Tun Sie ihm nicht weh, aber beeindrucken Sie ihn. Sein Sie nicht nachtragend, das wird er nicht verstehen. |
Nun habe ich gerade gesagt, keine Erziehung - und schon gebe ich den Tipp ihn kurz und heftig zur Ordnung zu bringen? Das mache ich, weil sich gerade im jungen Welpenalter die sogenannte Beißhemmung entwickelt. Wie stark ein Hund im Spiel seine Zähne einsetzen darf, muss er lernen. Schon deshalb sollten Sie so viel wie möglich ohne Spielzeug mit ihm spielen und ihm die Gelegenheit geben Ihre Grenzen zu erkunden - bevor er die Grenzen Ihrer Kinder erkundet.
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Autsch! Das könnte Ihre Hand sein! aboutpixel.de - Kyken |
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Als Untermauerung möchte ich hier einmal die bekannte Hundetrainerin Petra Führmann zitieren, deren Artikel auch insgesamt besonders lesenswert und deshalb unter den Links aufgeführt ist:
"Interaktionen Mensch-Hund, die sofort, also unmittelbar einem nicht zu tolerierenden Verhalten des Kleinen oder bereits einer Intention dazu folgen, als negative Reize wirken und dem Welpen ermöglichen, dieses zu assoziieren, führen zu keiner Entfremdung, sondern schaffen klare soziale Beziehungen im Gruppengefüge. Natürlich schließt dieses nicht aus, dass Welpen, wie alle Tiere, über positive Verstärkung in entspannter Atmosphäre am besten lernen, dass sie problemlos nach lerntheoretischen Gesetzmäßigkeiten konditioniert werden können und auch sollten. Ein zeitgerechtes Bestrafen (Wegstoßen mit zischendem Laut o.ä.,) indes, bedeutet nicht selten den Beginn eines mühevollen Prozesses – und ist biologisch sinnvoll." |
Butter bei die Fische! Ich habe die Hoffnung, dass Sie mir bis hierher folgen konnten. Denn jetzt werde ich Ihnen sagen, wie Sie zuverlässig das Vertrauen Ihres Welpen gewinnen und damit den Grundstein für eine feste Bindung legen können. Wenn ein Welpe neu ins Haus kommt, neigen viele Menschen dazu ihn zu locken, herumzutragen, zu streicheln, zu rufen und mit allerlei Spielzeug vor seiner Nase herumzuwedeln. Widerstehen Sie! ;-)
Legen Sie sich mit einem Spielzeug mitten in den Raum und ignorieren Sie ihn. Ja, wirklich! Vielleicht wird er eingeschüchtert irgendwo liegen und Sie beobachten. Aber ein gesunder Welpe wird schnell neugierig werden. Das arme Tier wird mit allen aufdringlichen Mitteln versuchen Ihre Aufmerksamkeit zu erregen und Sie zum Spielen aufzufordern. Widerstehen Sie! Sie ignorieren den kleinen Nervkeks so lange, bis er sich unaufdringlich und ruhig verhält. Dann bieten Sie ihm das Spielzeug an. Warten Sie ab, beobachten Sie ihn unauffällig. Lassen Sie ihn den Abstand bestimmen, folgen Sie ihm nicht. Seine Neugier wird ihn übermannen.
Nimmt er schließlich das Spielzeug, spielen Sie mit ihm - wird er zu wild, entziehen Sie ihm das Spielzeug und ignorieren Sie ihn wieder. Dies ist genau das Verhalten, mit dem Hunde untereinander eine Bindung aufbauen. Machen Sie sich das Wissen zunutze.
Zu guter Letzt möchte ich Ihnen noch eine DVD-Reihe ans Herz legen: "Die Fremdsprache Hündisch" von Birgit Lehnen. Den Link Zu Ihrer Seite finden Sie im Linkverzeichnis.
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