Der Tierarzt

 

Dies ist nun schon das zweite Kapitel, das sich nicht mit dem Verhalten Ihres Hundes direkt befasst, aber dennoch wichtig kurz zu umreißen ist, wenn Sie Ihren Hund wirklich verstehen wollen. Denn vor jeder Verhaltenstherapie sollten körperliche Ursachen für das vielleicht problematische Verhalten Ihres Hundes ausgeschlossen werden. Insbesondere dann, wenn sich das Verhalten Ihres Hundes plötzlich geändert hat, ohne erkennbare Ursache. Krankheitsbilder, die Hundeverhalten beeinflussen, sind so vielfältig, dass ich mich nicht in der Lage sehe sie hier aufzulisten: Sie brauchen einen Tierarzt!

Ihr Tierarzt ist ein wichtiger Partner. Anders als ein Menschenarzt kann er seine Patienten nicht fragen, wo es ihnen wehtut oder wie sie sich fühlen. Er ist auf Ihre Aussage und auf körperliche Symptome angewiesen, wenn er verlässlich diagnostizieren und erfolgreich behandeln soll. Dies ist eine enorme Leistung und erfodert viel Fingerspitzengefühl, Unmengen an Fachkompetenz und verlangt einem Menschen viel ab. Meine tiefe Hochachtung gehört jedem Tierarzt, der sich dieser Herausforderung stellt und sie mit offenen Augen und ebenso offenem Herzen meistert.

Vielleicht ist es aber auch eben gerade deswegen so schwierig einen wirklich guten Tierarzt zu finden. Denn leider ist ein abgeschlossenes Studium und eine Praxis kein Garant für einen guten Tierarzt. Manche machen sich ihren schwierigen Job zu einfach - deshalb haben Sie als Hundebesitzer die verantwortungsvolle Aufgabe sich für einen guten Tierarzt zu entscheiden. Das Leben Ihres Hundes liegt unter Umständen in seinen Händen.

Schön wäre es nun, wenn ich Ihnen einige Faustregeln in die Hand geben könnte, leider ist dies nicht so einfach. Ich möchte Sie aber ausdrücklich ermutigen mehrere Tierärzte auszuprobieren, auch wenn Sie einen weiteren Anfahrtweg in Kauf nehmen müssen. Was im Alltag eine Sache verkomplizieren kann, rettet Ihrem Hund unter Umständen später einmal das Leben und erspart Ihnen viel Leid (und letztlich auch Kosten).
Am besten üben Sie den Gang zum Tierazt einmal "trocken" mit Ihrem Hund, damit der Hund nur positive Erinnerungen mit nach hause nimmt. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich sehen, ob die Chemie zwischen dem Tierarzt und Ihnen stimmt und er Ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet. Wie ich schon sagte, gibt es keine Faustregeln zur Entscheidung für einen Tierarzt, dennoch möchte ich mich wieder einmal weit aus dem Fenster lehnen und ein paar Behauptungen aus eigener Erfahrung anfügen. Ich habe selbst drei Jahre lang bei einer Tierärztin gearbeitet, habe also einigermaßen realistischen Einblick in dieses Arbeitsfeld und habe durch eine sehr seltene schwerwiegende Erkrankung meines verstorbenen Hundes weitere Erfahrungen gemacht.

Ein guter Tierarzt...

  • ...steht alternativen Heilmethoden nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber und kann seine Bedenken sachlich begründen.
  • ...hört Ihnen gut zu und geht auf das ein, was Sie sagen und fragen. Denn Ihre Alltagserfahrungen mit Ihrem Hund können wertvolle Hinweise auf den Verlauf oder die Entstehung der Krankheit liefern.
  • ...muss nicht freundlich sein. Natürlich sollte er mit Ihnen gut kommunizieren und Ihre Fragen inhaltlich beantworten, aber der beste Tierarzt ist nicht immer der mit den meisten Leckerlis und dem freundlichsten Lächeln.
  • ...stellt sich auf Ihren Hund ein, kniet sich beispielsweise auch mal auf den Boden und beherrscht die Körpersprache der Hunde statt ihn mit Gewalt festzuhalten.
  • ...bezieht Sie in alle Entscheidungen mit ein und erklärt in einfachen Worten die Problematik einer Entscheidung.
  • ...stellt erst eine Diagnose und beginnt dann eine Behandlung und gibt keine Medikamente "auf Verdacht". Sollte die Diagnose unklar sein und er Medikamente auf Verdacht geben wollen, sagt er Ihnen das klipp und klar.
  • ...impft nicht pauschal das volle Programm, sondern fragt Sie was Sie impfen lassen möchten und in welchen Abständen. Selbiges gilt für Entwurmungen und anderen Parasitenkuren.

Selbstverständlich ist diese Aufzählung höchst subjektiv und basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen. Machen Sie ihre eigenen und behalten Sie Ihre gesunde Skepsis!