Methoden: der Clicker

...warum dieses Hilfsmittel so besonders wertvoll ist

 

Warum zähle ich unter der Rubrik "Methoden und Wege" ausgerechnet dieses eine spezielle Hilfsmittel auf, wo bleiben all die anderen? Ist das nicht zu einseitig?

Solche oder ähnliche Fragen mag man sich hier stellen und ich lehne mich jetzt schwindelerregend weit aus dem Fenster, wenn ich sage: weil es das beste ist. Ich will mich aber auch nicht winden und Ihnen gern erklären warum ich das denke.

Aufmerksamkeit

Ihr wichtigstes Werkzeug: die Aufmerksamkeit Ihres Hundes
aboutpixel.de - Horst Fechner

Zunächst einmal unterscheide ich persönlich zwischen Ausbildung und Erziehung. Dies sind für mich zwei ganz unterschiedliche Dinge und damit unterscheiden sich auch meine Methoden. Erziehung soll ans Alltagsleben anpassen und vorwiegend Verhaltensweisen verhindern oder Motivationen sinnvoll umlenken. Hierbei kann ich sehr viel intuitiver und gröber agieren, z.B. empört "HEY!" rufen, wenn sich mein Hund über die Wurst hermacht. Erziehung ist ein Muss. Erziehung ist Alltag - was natürlich nicht heißt, dass man darüber nicht dennoch grundsätzlich nachdenken sollte!

In der Ausbildung geschieht etwas anderes, hier möchte ich meinem Hund ganz gezielt ein Verhalten beibringen, ich möchte, dass er lernt etwas aktiv und freiwillig zu tun - nicht etwas zu unterlassen. Deshalb brauche ich seine ganze Aufmerksamkeit und vor allem: ich brauche seine Kooperationsbereitschaft. Die habe ich nur, wenn der Hund gesund und entspannt ist. Hat der Hund Angst, Schmerzen oder extremen Hunger oder Bewegungsdrang, wird er in dieser Situation nur ans "Überleben" denken und nicht in der Lage sein etwas zu lernen.

Natürlich kann man Ausbildung und Erziehung miteinander verknüpfen, indem man dem Hund für etwas Unerwünschtes ein Alternativ-Verhalten schmackhaft macht - und das ist sogar fast immer die optimale Lösung, vor allem bei hartnäckigen erlernten Verhaltensweisen. Dennoch sind es für mich im Kopf zunächst zwei verschiedene Dinge und damit auch unterschiedlichen Bedingungen unterworfen.

Viele Ausbildungsmethoden machen auf den ersten Blick Sinn und scheinen sogar zu funktionieren, bröckeln aber beim näheren Hinsehen, stören oder zerstören die Beziehung und Bindung zu Ihrem Hund und sorgen dafür, dass er Sie meidet und nur noch aus Angst gehorcht. Sobald Sie ihn aus den Augen lassen, versucht er Ihnen zu entwischen. Oder Sie machen sich in seinen Augen lächerlich und er nimmt sie als Führungspersönlichkeit nicht mehr für voll und beginnt sich zur Wehr zu setzen. Näheres über diese ungünstigen Ausbildungsmethoden finden Sie in der Rubrik "DON'T - ungeeignete Hilfsmittel".

Was ist nun ein Clicker und was ist so toll daran?



Hat viele Vorteile, lässt sich aber ersetzen: der Clicker

Ein Clicker ist zunächst einmal nichts weiter als ein kleiner Knackfrosch aus Blech, wie Sie ihn vielleicht aus Ihrer Kindheit kennen. Sein Geräusch ist unverwechselbar, einfach, kurz, deutlich hörbar, leicht und schnell zu erzeugen. Dies sind die Kriterien, die den Clicker so beliebt machen. Davon abgesehen brauchen Sie das "Spezialgerät" Clicker nicht! Wenn Sie einen Geräuschmacher finden, der ähnlich neutral, unverwechselbar, kurz usw. ist - benutzen Sie den. Es geht nur darum ein neutrales Signal zu haben, das der Hund noch nicht kennt und das Sie jederzeit und überall einfach erzeugen können.

Ungeeignet ist alles, was den Hund nervös macht, aufregt oder womit er bereits eine Verknüpfung hat, z.B. Schlüssel klappert = Gassi gehen. Ungeeignet ist auch Ihre Stimme, denn egal wie sehr Sie sich bemühen, Sie werden niemals ein und das selbe Geräusch vollkommen gefühlsneutral immer und überall mehrfach wiederholen können. Ihr Hund ist ein Meister im Lesen Ihrer Stimme - kein Schauspieler könnte einen Hund belügen, schon gar nicht den eigenen!

Aber Sie haben das Prinzip jetzt verstanden: ich möchte Sie nicht dazu bewegen ein bestimmtes Produkt zu kaufen, ich persönlich halte diesen kostengünstigen Gegenstand aber für sehr, wenn nicht am besten geeignet für das was wir vorhaben, nämlich Ihrem Hund etwas beizubringen.

Signale und Reize

Ohne in die Tiefen der Verhaltensbiologie eintauchen zu wollen, kurz etwas über Reize und Signale. Ein Reiz ist im Prinzip alles, was wir wahrnehmen - auch wenn es für uns total bedeutungslos ist. Ein Signal ist hingegen eine Ankündigung. Überlegen Sie kurz welchen Reizen Sie im Alltag begegnen und welche davon für uns ein Signal sind. Unsere Türklingel? Klar, ein Signal: da kommt jemand. Das Brummen eines vorbeifahrenden Fahrzeuges? Normalerweise ein normaler und bedeutungsloser Reiz, es sei denn Sie sind auf der Flucht oder erwarten jemanden. Das Stirnrunzeln Ihres Partners? Nun, das hängt von Ihrer Beziehung ab!
Sie sehen also, nicht alles was wir wahrnehmen, hat auch eine Bedeutung für uns. Ein Signal ist immer eine Ankündigung für eine Konsequenz. Diese Konsequenz muss nicht immer positiv sein und vor allem lernen sich Signale von allein, auch ohne unser Zutun kennt unser Hund bereits jetzt eine ganze Menge Signale. Gut zu wissen ist, dass sich das auch wieder rückgängig machen lässt, indem man das Signal z.B. ganz häufig hervorruft, die erwartete Reaktion aber ausbleibt. Die Verknüpfung verschwindet, das nennt man "Löschung".

Unser Taschenspielertrick wird sein, aus dem neutralen Reiz des Clickfrosches für Ihren Hund ein Signal zu machen. Im Augenblick ist der Clicker Ihrem Hund vermutlich noch völlig wurscht. Beim ersten Mal ist er vielleicht neugierig, aber wenn dem Click nichts folgt, keine Belohnung, kein Lob, keine Strafe, gar nichts - verschwimmt das Geräusch im bedeutungslosen Hintergrund.

Das können Sie ändern.
Clicken Sie - und geben Sie ihm sofort ein Leckerli, das er schnell und ohne großes Aufhebens schlucken kann. Er wird wissen wollen, wofür das war und CLICK nochmal und nochmal und nochmal. Selbst ein begriffsstutziger Hund wird jetzt ein neues Signal erlernt haben: Click bedeutet Belohnung - und zwar von jetzt an immer.

Nase

Auch die Nase nimmt viele Reize wahr - Ihr Hund konzentriert sich vielleicht auf etwas anderes als Sie denken
aboutpixel.de - Kristin Schotta

Was soll das? Warum nicht gleich das Leckerli?

Der Click hat mehrere Vorteile. Er ist eine Ankündigung für eine Belohnung, beinhaltet selbst aber nichts Ablenkendes oder Aufregendes für Ihren Hund. Selbst wenn Ihr Hund an einem ganz anderen Ende der Wohnung, der Leine, des Gartens oder der Hundewiese ist - das Geräusch des Clickers ist unverwechselbar und für Ihren Hund deutlich als Signal zu verstehen: "Das war richtig! Das war fein!"

Die Voraussetzung dafür ist, dass von nun an IMMER auf JEDEN Click eine Belohnung folgt. IMMER.

Sie müssen nicht den Rest Ihres Lebens mit einem Clicker in der Hand herumlaufen - Sie können das Clicken irgendwann langsam und schrittweise weglassen. Dann clicken Sie nur noch jedes zweite Mal, jedes dritte Mal und so weiter. Nach dem Zufallsprinzip wird die Belohnung variiert und ab und zu gibt es einen "Jackpot", eine Superbelohnung. Nur Sie wissen am besten, was Ihren Hund ausflippen lässt vor Begeisterung. Sie müssen also nicht den Rest Ihres Lebens clicken. Aber WENN Sie clicken, folgt IMMER eine Belohnung.

Formen, "Shaping" oder - und was nützt mir das jetzt?

Wenn Ihr Hund etwas einfaches lernen soll, haben Sie es bereits angewendet: die Konditionierung. Das bedeutet einfach gesagt, dass Ihr Hund auf ein Signal hin etwas bestimmtes tut. Sie haben vermutlich gelockt, vielleicht an der Leine gezupft, mit den Händen gewedelt, auf das richtige Verhalten gewartet - und wenn der Hund das richtige Verhalten gezeigt hat, haben Sie ihn glücklich gemacht und er hat dieses Glück mit dem Verhalten in Verbindung gebracht. Letzteres ist auch richtig so!

Allein das Locken, Wedeln und das Zupfen lenken Ihren Hund ab, machen ihm womöglich sogar Angst (anstarren, anfassen können für Hunde sehr bedrohlich wirken) und das Warten aufs richtige Verhalten kann sehr lange dauern, wenn nicht sogar absolut unmöglich sein - bei komplexeren Kunststückchen.

Der Clicker lockt Ihren Hund nun aus der Reserve. Sie müssen Ihren Hund weder anfassen noch anschauen und das sollten Sie auch nicht tun. Verhalten Sie sich beim Clickern vollkommen neutral, loben und streicheln Sie nicht, das lenkt alles nur ab.
Zwingen Sie ihn zu nichts, gehen Sie wortlos zum Kühlschrank und stellen Sie demonstrativ die Leckerlidose vor sich hin und warten Sie ab welches Verhalten Ihr Hund Ihnen anbietet. Sollte er überhaupt gar nicht zu motivieren sein, fixen Sie ihn mit einem Click+Belohnung an - einfach weil er so schön daliegt. Eine Belohnung kann auch ein Spielzeug sein, wobei es sehr viel schwieriger ist den Hund nach erfolgter Spielzeugbelohnung wieder zur Konzentration zurückzubekommen.

Sobald er ein Ansatzverhalten zeigt, vielleicht setzt er sich anders hin, vielleicht schaut er in eine andere Richtung oder gibt Ihnen eine Pfote, bellt... überlegen Sie, ob dieses Verhalten nicht schon in die richtige Richtung geht und belohnen Sie bereits den kleinsten Ansatz. Er wird beginnen zu experimentieren und jedes Erfolgserlebnis wird ihn noch mehr motivieren.

Es ist sinnvoll, da man am Anfang doch viele Fehler und Ungenauigkeiten macht, mit einem vollkommen "sinnlosen" Kunststück zu beginnen. Zum Üben für Sie und zum Kennenlernen der Methode. Wenn Sie scheitern macht das nichts, denn es war ja ein sinnloses kleines Kunststück, von dessen Gelingen nichts abhängt. Setzen Sie sich und Ihren Hund nicht unter Druck - Lernen funktioniert nur in entspannter Atmosphäre und mit viel Spaß.

Diese kurze Einleitung hat Ihnen jetzt vermutlich noch nicht gravierend geholfen, deshalb möchte ich Ihnen raten sich vielleicht ein Buch zu kaufen (z.B. von Martin Pietralla) oder einmal auf Webseite http://www.clicker.de/ zu besuchen, die sehr viele detaillerte Anleitungen und auch Austauschmöglichkeiten wie Foren beinhaltet.

Chihuahua

Egal welche Größe, welche Rasse und welches Temperament - alle Hunde lernen nach den selben Grundprinzipien
aboutpixel.de - Alexander Kreher