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Allein bleiben

Hunde finden ihr Glück nur im festen Rudelverband - das sind Sie! |
Der Hund ist ein Rudeltier. Das wissen Sie und haben es schon hundertmal gehört. Aber haben Sie auch wirklich verstanden, was das bedeutet? Es bedeutet, kurz gesagt, dass es dem Hund nicht nur normalerweise unangenehm ist allein zu sein, sondern es geht ihm regelrecht gegen die Natur. Schon kleinen Welpen ist der Drang seiner Mutter (oder später Ihnen) zu folgen tief eingepflanzt und er wird kläglich jammern, sobald er das Gefühl hat allein zu sein. In der Natur bedeutet allein sein den sicheren Tod für jeden Welpen und nicht selten auch für den erwachsenen Hund. Seine Gene erinnern sich mitunter noch daran. |
Das bedeutet nicht, dass Sie Ihren Hund niemals allein werden lassen können. Ich möchte nur, dass Ihnen der Umfang des Opfers bewusst ist, das Sie da von Ihrem Hund verlangen und Ihnen so helfen die erforderliche Geduld aufzubringen, die es erfodert einem Hund mit Verlassensängsten beizubringen, dass es okay ist, allein zurückzubleiben.
Der nötige Aufwand hängt von vielen Faktoren ab, vom Alter des Hundes, von seiner Vorerfahrung, von seinem Temperament und auch nicht zuletzt davon, wie Sie beim Abschied auf ihn wirken. Auf die meisten Faktoren haben Sie keinen Einfluss und es soll an dieser Stelle auch nicht umfassend besprochen werden, wo die Ursachen liegen können.
Es ist aber durchaus wissenswert und auch ausschlaggebend für Methode und Erfolg, wie sich Ihr Hund verhält, wenn Sie ihn allein lassen und aus welchem Grunde Sie das als ein Problem empfinden.
Häufig als problematisch empfundene Verhaltensweise von allein gelassenen Hunden können indizienhaft darüber Aufschluss geben, was in Ihrem Hund vorgeht und daher auch darüber, wie Sie vorgehen müssen. Ich werde im folgenden die häufigsten beiden Phänomene nennen und dazu ein paar Anregungen geben.
"Stehlen", Verbote übertreten
Sie haben Ihrem Hund vielleicht mühsam beigebracht, dass er nicht auf dem Bett liegen, nicht die Topfpflanzen ausbuddeln und nicht den Mülleimer ausräumen darf? Generell gilt, dass Verbote für Ihren Hund nur Gültigkeit haben, solange Sie anwesend sind. Ihr Hund respektiert und versteht nicht die Regel - er respektiert Sie. Und das ist gut so! Es zeugt von einer guten Beziehung und von einem intelligenten Hund, wenn er auf Sie Rücksicht nimmt statt auf Ihre Regeln. Denn das bedeutet auch, dass er begreift von wem diese Regeln ausgehen. Wenn Sie also wollen, dass es in Ihrer Abwesenheit zu keinen Regelverletzungen kommt, können Sie nur entweder zu Abschreckmethoden greifen oder ihn auf praktische Weise (z.B. durch Türen und Schlösser) daran hindern das Verbot zu übertreten.
Entscheiden Sie sich für die Abschreckmethode, riskieren Sie in jedem Fall eine falsche Verknüpfung und bei sensiblen Hunden zusätzlich Verhaltensstörungen und Stresssymptome. Ein gestresster Hund ist nicht in der Lage zu lernen und wird in seiner Angst womöglich noch sehr viel destruktiver als zuvor. Abschreckmethoden werden immer gern von Tiertrainern vorgeführt, denen es um den schnellen Vorführeffekt geht. Der ist fraglos beeindruckend. Doch sollte man sich der Risiken und späteren möglichen Folgen bewusst sein. Der Trainer lebt nicht jahrelang mit Ihrem Hund zusammen und kann sich Kurzsichtigkeit leisten - Sie nicht.
Wenn Sie Abschreckmethoden anwenden möchten, sollten Sie sich in jedem Fall sicher sein, dass der Hund das Verbot aus Langeweile oder Gier übertritt und nicht etwa aus einem tiefen Bedürfnis heraus. In letzerem Fall unterbinden Sie zwar das Verhalten, aber das Bedürfnis bleibt - und das abgewöhnte Verhalten wird durch ein anderes ersetzt.
Bedenken Sie auch, dass ein Hund kein Unrechtsbewusstsein hat. Hunde kennen kein schlechtes Gewissen. Er erkennt sehr wohl den Ärger in Ihrer Stimme und in Ihrer Körperhaltung oder erinnert sich an eine zeitlich zurückliegende ärgerliche Reaktion Ihrerseits in einer ähnlichen Situation. Er reagiert aber in jedem Fall auf Sie, nicht auf sein "Gewissen".
Wenn Sie also nicht möchten, dass Ihr Hund in Ihrer Abwesenheit ein Verbot übertritt, erhalten Sie sich seine psychische Unversehrtheit und Ihre Bindung zu ihm also am ehesten dadurch, dass Sie auf technische Weise verhindern, dass der Hund an Ihre Sachen gelangt.
Bellen und jaulen |
Das zweithäufigste als problematisch empfundene Verhalten von allein gelassenen Hunden ist das laute Bellen oder Jaulen. Grundsätzlich ist dies das ganz normale Verhalten eines allein gelassenen Rudeltieres, das versucht mit seinen Rudelmitgliedern Kontakt aufzunehmen. Wölfe verständigen sich so über weite Distanzen und auch ein normaler Haushund versucht sich hin und wieder in "wölfisch" und bricht in herzzerreißendes Jaulen aus, wenn ihm Ihre Abwesenheit zu lang erscheint. |

Endlich! Das Warten hat ein Ende! |
Dieses Verhalten beruht zunächst einmal auf dem tiefen Bedürfnis mit seinem Rudel in Kontakt zu treten und sollte nie mit Strafen belegt werden. Das Verhalten mag sich dadurch legen, das Bedürfnis aber bleibt und wird sich höchstwahrscheinlich auf andere Weise äußern, die Ihnen vielleicht noch viel unangenehmer ist als das Jaulen.
Bei Hunden, die bereits einige Erfahrungen gesammelt haben, kann es passieren, dass sich das ursprüngliche instinktive Heulen in vehementes Bellen abwandelt, in allen möglichen und unmöglichen Farbklängen und Intensitäten. Je nach Individuum neigt der eine Hund mehr zum Jaulen, der andere zum Bellen, doch oft ist es so, dass wolfsähnliches Jaulen eher auf einen einsamen Hund hindeutet, Kläffen und Bellen eher auf einen Hund, der dieses Verhalten erlernt hat. Dies ist keine verlässliche Unterscheidung, nur ein Indiz aus meiner persönlichen Erfahrung.
Wenn ein zurückgelassener Hund lang und anhaltend bellt, ist es möglich, dass Sie ihn bisher dafür unbewusst belohnt haben. Der Hund, der entweder gelangweilt oder einsam zuhause ist, probiert zunächst einige Verhaltensweisen aus und wird diese Verhaltensweise in Zukunft häufiger und stärker anwenden, mit der er Erfolg hatte.
Möglicherweise sind Sie ein paarmal schnell zurückgeeilt, um Ihren Hund zu trösten oder zurechtzuweisen, sobald er gebellt hat. Viele beeilen sich z.B. der Nachbarn wegen und wissen nicht, dass sie das Verhalten nur verstärken. Denn Ihr Hund hat gelernt: "wenn ich belle, kommt Frauchen zurück! Je lauter, umso schneller kommt sie!" Das haben Sie natürlich so nicht beabsichtigt und es gehört ein gehöriges Stück zähe Arbeit und Geduld dazu, ihm dies wieder auszureden. Das Bellen an sich wirkt für den Hund nämlich schon als Belohnung, da es seine Anspannung abbauen hilft und Stress vermindert.
Ob Sie nun einen solchen Kandidaten zuhause haben oder ob Sie einen neuen Hund, egal welchen Alters, ans allein sein gewöhnen wollen - die wirksamste Methode ist meiner Erfahrung nach die langsame Gewöhnung. Der Vorteil hierin liegt nicht nur darin den Hund langsam an die neue Situation zu gewöhnen, sondern Sie belohnen ihn damit auch in der Anfangsphase für das ruhige Warten. Das ist deswegen wichtig, damit Sie das selbstbelohnende Bellen mit einem anderen Lernen sozusagen überschreiben wie eine Festplatte und er einen Anreiz bekommt auf diese Selbstbelohnung zu verzichten.
Deshalb hier im folgenden eine grobe Anleitung für die langsame Gewöhnung, die Sie natürlich Ihren individuellen Verhältnissen anpassen:
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So eine stürmische Begrüßung ist toll - aber bleiben Sie gelassen |
Je nach Lernstand des Hundes beginnen Sie mit ganz kleinen Schritten. Wenn Ihr Hund dies ruhig erträgt, können Sie damit beginnen die Wohnung für sehr kurze Zeit zu verlassen, beispielsweise um die Post zu holen oder den Müll rauszutragen. Ist Ihr Hund noch nicht soweit und beginnt bereits jetzt zu bellen oder zu jaulen (dies ist begrenzt auch anwendbar für andere Stresssymptome), müssen Sie die Schritte verkleinern. Sie können beispielsweise nur kurz vor die Haustür treten und dort stehen bleiben oder das Zimmer verlassen, so dass er Ihnen nicht folgen kann. |
Wo Sie beginnen ist zweitrangig, aber wichtig ist es, dass Sie nur dann zurückkehren, wenn der Hund für ein paar Sekunden ruhig ist. Das ist der Haken an der Sache. Sie müssen selbst einschätzen, wann er vermutlich anfangen wird zu bellen und sich bemühen vorher zurück zu sein. Sollte es schief gehen, müssen Sie, Nachbarn hin oder her, Mitleid hin oder her, so lange mit Ihrer Rückkehr warten, bis er ruhig ist. Und zwar möglichst länger als 10 Sekunden. Das sollte ein weiterer Ansporn sein, immer rechtzeitig zurückzukehren. Es erspart Ihnen sehr viel Mühe, wenn Sie diesen Zeitpunkt zuverlässig einschätzen können.
Nach eigenem Ermessen beginnen Sie dann, Entfernung und Dauer Ihres Verschwindens zu verlängern. Und immer daran denken, dass Sie sich nicht bemerkbar machen, bevor er nicht wieder leise ist, falls ein "Unfall" passiert und er doch wieder anfängt zu bellen.
Auf diese Weise können Sie die Dauer stetig steigern, wobei es einen unschätzbaren Vorteil bietet die Nachbarn einzuweihen, die Ihnen auf lange Sicht ehrlich berichten, ob es Rückfälle gegeben hat. Denn Ihr Hund hat feine Ohren und wenn Sie ihn zuverlässig eine halbe Stunde lang in der Wohnung zurücklassen konnten, während Sie im Treppenhaus standen, kann es sein, dass Sie von vorn beginnen müssen, wenn Sie nun wirklich das Haus oder das Grundstück verlassen. Rechnen Sie damit!
Wichtig ist es, während des ganzen Vorhabens folgende Grundregeln einzuhalten:
- Strahlen Sie Gelassenheit und Beiläufigkeit aus! Unterschätzen Sie nie die Wirkung Ihrer Stimmung auf Ihren Hund
- Schaffen Sie ein sehr kurzes prägnantes Abschiedsritual oder ein Stichwort, schleichen Sie sich nie heimlich davon, das kann seine Verlassensangst nur noch mehr schüren
- Geben Sie ihm einen Kauknochen oder ein Spielzeug zum Abschied, das er besonders liebt und das er nur bekommt, wenn Sie gehen - so verbindet er den Abschied mit etwas Positivem
- Begrüßen Sie Ihn bei Ihrer Rückkehr freundlich, aber gelassen - es ist eine ganz normale Situation und kein Grund für viel Aufhebens - vermitteln Sie ihm Normalität
- Trösten und bemitleiden Sie ihn nicht! Sein Sie freundlich, aber nie mitleidig
Mit diesen Grundregeln sollte es Ihnen gelingen Ihren Hund schrittweise ans Alleinsein zu gewöhnen. Aber Sie brauchen viel Geduld, Rückschritte sind normal, sein Sie darauf gefasst und haben Sie Verständnis für Ihren Hund. Im Grunde genommen vollbringt er eine enorme Leistung für ein Tier, das so sehr sein soziales Umfeld braucht. Erkennen Sie das an und geben Sie nicht auf.
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